Das warme Herz Afrikas - ein Erfahrungsbericht

July 2, 2017

Am 17.03.2017 beginnt unsere Reise nach Malawi. Für mich ist es das erste Mal, dass ich in das Land reise, was von vielen als das warme Herz  Afrikas beschrieben wird. Warum es so heißt, sollte ich in den kommenden Wochen erfahren. Zunächst  lerne ich die Leute aus meiner Reisegruppe kennen und schnell wird klar, dass alle sehr nett sind und die nächsten zwei Wochen bestimmt unterhaltsam und lustig werden.

 

Mit 14 Leuten machen wir uns auf nach Malawi und fliegen von Frankfurt über Addis Abeba nach Lilongwe. Ich bin schon ganz gespannt auf die Eindrücke, die mich in Malawi erwarten werden. Nach fast 24 Stunden kommen wir dann aufgeregt aber auch erschöpft mit dem Flugzeug an unserem Ziel an. Mein Enthusiasmus wird jedoch etwas gebremst, als wir ewig lange in der Schlange stehen müssen, bis unser Visum ausgefüllt wird. Nicht, weil so viele Leute vor uns stehen, sondern weil die Zuständigen ganz entspannt und gelassen - per Hand - alles ausfüllen. Spätestens jetzt ist klar, wir sind in Afrika angekommen. Die Gelassenheit und Ruhe der Menschen zieht sich auch durch die gesamten Erfahrungen und Erlebnisse während der Reise. Die Uhren der Menschen in Malawi ticken anders als in Deutschland, was manchmal sehr angenehm, aber oftmals als pünktlicher und genauer Deutscher sehr nervenaufreibend ist.

Unser Empfang am Flughafen ist dann aber sehr herzlich und wir lernen einige der Schwestern und Joseph kennen. Vom Flughafen geht es dann mit dem Bus zu unserer Unterkunft. Während der Busfahrt wird schnell klar – ich bin in einer komplett anderen Welt. Ich weiß gar nicht, ob ich links oder rechts aus dem Fenster sehen soll, alles ist spannend und ähnelt keinem anderen Ort, an dem ich bis jetzt war. Das gesamte Leben in Malawi scheint sich an der Straße abzuspielen. Überall sind Leute und versuchen, entweder Obst und Gemüse oder aber auch Möbel und Särge zu verkaufen. Die Frauen balancieren geschickt Körbe oder lange Äste auf ihren Köpfen, während die Männer häufig schwere Lasten auf ihren Fahrrädern transportieren. Bilder, die man schon öfter im Fernsehen gesehen hat, die aber in echt nochmal ganz anders wirken. Aber nicht nur Menschen, sondern auch Ziegen, Kühe und Hunde laufen über die Straße. Ich bin überwältigt. Jedoch sieht man auch sofort die schlechten Bedingungen, unter denen die Leute teilweise leben müssen. Schlechte Straßen, Überschwemmungen durch die Regenzeit - viele Familien mussten aufgrund dieser weg ziehen - und spärliche Unterkünfte. Besonders fällt uns auch das starke Gefälle zwischen arm und reich auf. Teilweise sieht man neben den ärmlichen Hütten prächtige Hotels oder ein riesiges Sportstadion. Manche Viertel sehen so aus, als wäre man in einem komplett anderen Land. Immer wieder fragen wir uns, warum in einem Land, in dem so viel Armut herrscht, sich nicht zunächst um die Bevölkerung gekümmert wird? Warum werden so hohe Summen in ein Sportstadion investiert, welches mehr als die Hälfte der Menschen sich nicht mal ansatzweise leisten kann zu  besuchen? 

 

In den nächsten beiden Tagen besuchen wir mehrere Projekte der Teresian-Sisters. Dort lernen wir viele Waisenkinder kennen. Anfangs zwar zurückhaltend, blühen die Kinder nach kurzer Zeit total auf. Der erste Kontakt mit den Menschen in Malawi und ich bin total begeistert. Die Herzlichkeit und Freundlichkeit der Menschen, obwohl sie oftmals mit so vielen Problemen zu kämpfen haben, ist überwältigend. Ebenfalls ein Eindruck, der sich während der gesamten Reise bestätigt.  Darüber hinaus zeigen die Teresian-Sisters uns das Mädchenwohnheim, in dem junge Mädchen leben können, damit sie näher an ihrer Schule wohnen. Leider ist es keine Seltenheit, dass die Kinder viele Kilometer laufen müssen, um zu ihrer Schule zu kommen. In jedem Zimmer des Hostels können 6 Mädchen unterkommen. Echter Luxus im Vergleich zu anderen Schulen, wo die Mädchen teilweise mit über 70 Personen in einem Raum schlafen müssen.

Weitere Projekte sind die Primary Schools in Namitete. Hier sehen wir das erste Mal die Bedingungen, unter denen die Kinder in den Schulen lernen müssen.

 

Teilweise ohne Stühle und Bänke sitzen die Kinder auf dem Boden. Ohne Stifte und Papier müssen sie mit 100 Schülern zusammen  in einem Raum lernen. Dies ist leider keine Ausnahme, sondern der Regelfall. Auch die Ludzi School und die Schulen der Sisters of Sanct John the Baptist, die wir später besichtigen, lehren unter den gleichen Bedingungen. Die Kinder haben oft Löcher in ihren Kleidungen und man sieht sofort, dass sie aus ärmlichen Verhältnissen kommen. Teilweise entstehen Tumulte, weil die Kinder unbedingt einen Kugelschreiber, Süßigkeiten, Plastikflaschen oder Luftballons haben wollen. Was für uns in Deutschland Banalitäten sind, ist hier eine Besonderheit. Eindrücke, die für mich nur schwer zu verarbeiten sind. Zum Glück wird innerhalb der Gruppe viel über das Erlebte geredet, was dabei hilft, die Eindrücke zu verarbeiten. Mit viel Humor und Witz vertreiben die Leute einem die schlechte Laune und die Traurigkeit, die teilweise aufkommt, während man das Land bereist.

Eindrucksvoll ist auch die Tischlerei in Namitete. Natürlich nicht zu vergleichen mit den Werkstätten in Deutschland, aber trotzdem für Malawi schon sehr ordentlich und fortschrittlich. Ausgestattet mit unterschiedlichen Maschinen und Gerätschaften, werden hier viele Arbeitsplätze geschaffen.

Erwähnenswert sind auch die Krankenhäuser in Malawi, welche nicht zu meinen beliebtesten Besichtigungszielen gehörten. Trotzdem finde ich es wichtig zu sehen, wie die gesundheitliche Versorgung aussieht. Auch hier gibt es starke Unterschiede zwischen der Versorgung auf dem Land und der in den städtischen Gebieten. Gemein haben alle Krankenhäuser, dass die Menschen mit vielen Personen zusammen in einem Raum liegen. Dreibettzimmer wie in Deutschland wären hier ein Luxus. Die schwangeren Frauen liegen manchmal zu fünft in einem Kreissaal und müssen entbinden. Außerdem müssen die Angehörigen für die Erkrankten kochen. Das Salima Health Care Center gehört zu den Krankenstationen in der ländlichen Umgebung und aus seinem Einzugsgebiet kommen oftmals sehr arme Leute. Dies sieht man leider auch sofort. Die Hygienebedingungen sind sehr schlecht, genauso wie die Ausstattung. Alles ist sehr dreckig und die Ziegen und Hühner laufen auf dem gesamten Gelände herum. Ein Angestellter erzählt uns, dass viele Leute kein Geld für Medikamente haben oder dass es nicht genügend Arzneimittel gibt. In der Regenzeit, in der viele Leute an Malaria erkranken, herrscht eine besonders hohe Knappheit, aus welchem Grund einige Menschen daran sterben.

Auch begleiten uns während der gesamten Tage Stromausfälle und kalte Duschen. Aber dürfen wir uns beschweren? Viele Menschen in Afrika haben nicht einmal Strom, geschweige denn fließendes Wasser. Sie sind froh, wenn ein Brunnen in ihrer Nähe ist, damit sie keine weiten Entfernungen zurücklegen müssen, um überhaupt an Wasser zu kommen. Brunnen zu bauen ist, wie wir auf unserem Ausflug nach Madisi lernen, ein sehr wichtiges Thema. Schwester Klara, welche ursprünglich  aus Visbek kommt, zeigt uns ein kleines Dorf, in dem vor kurzer Zeit ein Brunnen gebaut wurde. Das Dorf besteht aus kleinen Hütten mit 2 Räumen. Hier wohnen die Leute oft zu sechst zusammen. Die Küche ist eine überdachte offene Feuerstelle. Und dies ist noch eins der besseren Dörfer. Für mich kaum vorstellbar. Doch auch hier bin ich wieder überwältigt von den Menschen. Sie haben so wenig, doch haben sie immer ein Lächeln auf den Lippen und so viel Lebensfreude. Es wird getanzt und gesungen und wir werden sofort in die Runde mit aufgenommen. Madisi war für mich allgemein ein ganz besonderer Tag. Hier hat man  gesehen, dass es auch anders geht. In der Schule, welche von den Schwestern aus Madisi geleitet wird, genießen die Kinder eine sehr gute Ausbildung und können teilweise schon im Kindergarten Englisch. Was sie uns auch gleich mit einem Theaterstück demonstriert haben. Aber auch die Schulkinder haben uns ein richtig tolles Programm mit Tanz, Theater und Gesang geliefert. Ein wirklich toller und eindrucksvoller Tag.

 

Dass es auch anders geht, haben wir ebenfalls bei St. Mary‘s gesehen. Auch hier gibt es Räume mit guter Ausstattung. Jedoch sind in St. Mary‘s viele Halb- oder Vollwaisen untergebracht. Die Schwestern erzählen uns, dass, wenn die Väter der Kinder eine neue Frau kennen lernen, diese die Kinder manchmal verstößt oder sogar misshandelt und sie deswegen in der neuen Familie nicht mehr erwünscht sind. Wir haben das Glück, mit einigen der Kinder näher in Kontakt zu treten und nach kurzer Zeit sind wir von vielen umringt, die alles über uns wissen wollen. Auffallend ist, dass die Kinder unbedingt Aufmerksamkeit suchen und einen berühren möchten. Eine Sache, die bei so vielen Kindern von den Schwestern nicht ausreichend geleistet werden kann. Auch das macht mich traurig und ich bin wieder mal froh, dass ich den Rückhalt aus der Gruppe habe.

 

 

Während der Reise habe ich viele tolle Erfahrungen gemacht, die vor allem mit den unglaublich herzlichen und netten Menschen zu tun haben, welche Malawi wirklich zu dem warmen Herzen von Afrika machen. Die Gastfreundschaft und Nettigkeit, die sie uns entgegengebracht haben, hat mich immer wieder überwältigt. Obwohl sie so wenig haben, gab es immer ordentlich für uns zu Essen und teilweise sogar Geschenke. So viele Aufmerksamkeiten, dass es einem manchmal sogar unangenehm war. Wir selber haben so viel und wollen doch so wenig geben. Allein um die Menschen kennen zu lernen ist Malawi definitiv eine Reise wert.  

 

Linda Harting 

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